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Nachhaltigkeit in der MICE-Branche: Wo Veranstalter ansetzen können
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Die Anreise zählt am meisten: Laut atmosfair entfallen bis zu 70 % der Emissionen einer Veranstaltung auf An- und Abreise. Wer hier plant, erreicht mehr als bei Dekoration oder Druckmaterial.
Bündeln wirkt sofort: Sammelpunkte, Shuttles und passende Fahrzeuggrößen senken die Emissionen je Person. Am Programm muss sich dafür nichts ändern.
Nur belegte Aussagen: Seit dem 27. September 2026 gelten in Deutschland strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Pauschale Begriffe wie „klimaneutral“ sind seitdem ein Risiko.
Ob Vertriebstagung, Incentive-Reise oder Fachkongress: Bei MICE-Veranstaltungen kommen Menschen aus vielen Orten zusammen, oft nur für ein oder zwei Tage. Die Wege dorthin verursachen häufig mehr Emissionen als alles, was vor Ort passiert. Was hinter den vier Buchstaben steckt, erklärt der Beitrag MICE einfach erklärt. Hier geht es darum, wo Veranstalter tatsächlich etwas verändern können und wie sie es belegen.
In Ausschreibungen und Lieferantenbewertungen fragen Einkaufsabteilungen häufig nach Umweltmanagement, Nachweisen und Daten. Für Agenturen und Dienstleister rund um ein Event heißt das: Wer keine Antworten hat, fällt bei der Bewertung zurück.
Dazu kommt die Berichterstattung. Nach der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) müssen große Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen. Den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen hat die EU mit dem Omnibus-Paket deutlich eingegrenzt. Für alle anderen bleibt das Thema trotzdem relevant: Berichtspflichtige Kunden brauchen Daten aus ihrer Lieferkette. Dienstreisen zu Tagungen und Kongressen können in ihre Treibhausgasbilanz einfließen.
Einen Überblick, wo die Emissionen einer Veranstaltung entstehen, gibt der Leitfaden für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen von Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium. Er behandelt Handlungsfelder wie die Beschaffung von Produkten und Dienstleistungen sowie Organisation, Kommunikation und Evaluation und gibt Hilfestellung bei der Erfassung der Emissionen. Bei vielen Veranstaltungen ist die Mobilität der Teilnehmenden der größte Posten. Catering, Energie und Material bleiben wichtig. Wer aber zuerst die Anreise plant, erreicht am meisten.
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Wer Nachhaltigkeit nicht für jedes Event neu aufsetzen will, kann sich an etablierten Rahmenwerken orientieren. ISO 20121 betrifft das Management der Veranstaltung selbst. Von Dienstleistern wie Caterern oder Mobilitätspartnern können Veranstalter eigene Nachweise verlangen, etwa ein Umweltmanagement nach ISO 14001 oder eine unabhängige Bewertung des Nachhaltigkeitsmanagements.
| Rahmenwerk | Was es ist | Geeignet für |
|---|---|---|
| ISO 20121 | Norm, die die gesamte Wertschöpfungskette einer Veranstaltung abdeckt, von der Lieferantenauswahl über die Mobilität bis zur Kommunikation | Veranstalter und Agenturen, die ein zertifizierbares Managementsystem aufbauen wollen |
| fairpflichtet | Nachhaltigkeitskodex der deutschsprachigen Veranstaltungsbranche, 2012 von GCB und EVVC ins Leben gerufen, als freiwillige Selbstverpflichtung | Unternehmen der Branche, die sich auf gemeinsame Leitlinien verpflichten wollen |
| Green Globe | Zertifizierung, die unter anderem Veranstaltungshäusern und Hotels offensteht | Auswahl von Location und Unterkunft |
| UBA-Leitfaden | Handlungsfelder, Checklisten und Hinweise zur Erfassung von Emissionen | Einstieg in die Planung, auch ohne Zertifizierung |
Die Mobilität wird oft erst geplant, wenn Ort und Programm feststehen. Für die Emissionen ist das spät, denn die wichtigste Entscheidung fällt mit der Wahl des Ortes. Ob eine Location gut mit der Bahn erreichbar ist, wie weit die Hotels entfernt liegen und wo Busse halten können, beeinflusst, wie viele Teilnehmende ohne eigenes Auto anreisen. Genauso wichtig ist der Zeitpunkt: Wer die Zahl der Teilnehmenden, ihre Herkunftsregionen und den Ablauf früh kennt, kann Fahrten bündeln, statt später einzelne Lücken zu schließen. Vier Stellschrauben machen dabei den Unterschied: Standort und letzte Strecke, Bündeln, Fahrzeuggröße und Auslastung sowie der Antrieb.
Liegt die Location nahe an einem Fernbahnhof, ist die Bahn für viele Teilnehmende die naheliegende Wahl.
Entscheidend ist dann die letzte Strecke. Ein Event-Shuttle vom Bahnhof zur Location ersetzt viele Einzelfahrten, ebenso ein Flughafentransfer für internationale Gäste. Den Takt sollten Veranstalter an den Zugankünften ausrichten, nicht nur am Programmbeginn.
Bei Incentive-Reisen lohnt ein Blick auf Ziele in Busreichweite. Statt eines Kurzstreckenflugs wird die Fahrt Teil des Programms, und die Gruppe bleibt von der Abfahrt bis zur Rückkehr zusammen.
Jede Person, die nicht allein mit Pkw oder Taxi anreist, senkt die Emissionen je Kopf. Die Mobilitäts-Checkliste zum Leitfaden des Bundes nennt die gemeinsame Nutzung von Verkehrsmitteln und einen organisierten Shuttle-Service ausdrücklich als Maßnahmen. In der Praxis heißt das:
Pendelverkehr zwischen Hotels und Location
feste Sammelpunkte in der Stadt
bei Messen ein Messetransfer für Aussteller und Gäste
Kommen die Teilnehmenden aus vielen Regionen, eignet sich eine Sternfahrt mit Bussen ab den Herkunftsorten. Auch sehr viele Abfahrtsorte lassen sich in einem Mobilitätskonzept zusammenführen, etwa bei der Sternfahrt für eine Gewerkschaft, 2025: 48.896 transportierte Gäste, rund 150 Abfahrtsorte, fünf parallele Großveranstaltungen, über 1.200 Busse und über 240 Buspartner.
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Wie viel ein Shuttle bringt, hängt davon ab, wie voll die Fahrzeuge sind. Ein Reisebus, der den ganzen Tag halb leer pendelt, verbraucht je Fahrgast mehr als nötig. Über die agt stehen fünf Standardklassen zur Wahl:
Van (1–7)
Kleinbus (8–18)
Reisebus (19–50)
Reisebus XL (51–57)
Doppeldecker (58–75)
Für größere Gruppen kommen mehrere Fahrzeuge zum Einsatz. Einen Überblick gibt der Busgrößen-Vergleich.
Dabei gibt es einen Zielkonflikt. Für die Abreise empfiehlt es sich, mehr Plätze vorzuhalten als rechnerisch nötig, damit nach dem Programm niemand lange wartet. Diese Reserve muss aber nicht den ganzen Tag mitfahren. Sie lässt sich über einen kürzeren Takt zur Spitzenzeit abbilden oder über ein Fahrzeug, das erst bei Bedarf einsetzt. Außerhalb der Spitzen reichen oft weniger Fahrten oder kleinere Fahrzeuge.
Der zweite Hebel sind Leerfahrten. Ein Bus, der Gäste zur Location bringt und danach leer zurückfährt, verursacht Emissionen ohne Nutzen. Besser sind Umläufe, in denen das Fahrzeug direkt die nächste Gruppe aufnimmt, und Standzeiten, die zum Programm passen. Fahrten, Zeitfenster und Fahrzeuge stimmt die Buskoordination aufeinander ab.
Bei Kraftstoff und Antrieb gibt es Alternativen zum fossilen Diesel, etwa HVO oder Elektrobusse. Was sie leisten und wo ihre Grenzen liegen, erklären die Beiträge Nachhaltige Kraftstoffe im Vergleich und HVO Diesel einfach erklärt.
Ohne Daten bleibt Nachhaltigkeit eine Behauptung. Die wichtigste Quelle ist die Anmeldung. Die Mobilitäts-Checkliste empfiehlt, das Anreisemittel schon bei der Registrierung abzufragen. Damit lässt sich der Shuttle-Bedarf früh einschätzen und später die Bilanz berechnen.
Vom Mobilitätspartner sollten Veranstalter nach dem Event die Fahrtdaten anfordern:
Zahl der Fahrten
gefahrene Kilometer einschließlich An- und Abfahrt der Fahrzeuge
Fahrzeugklasse
Zahl der Fahrgäste
Für die Berechnung gibt es Werkzeuge wie den CO₂-Rechner für Veranstaltungen des Umweltbundesamts oder den CO₂-Eventrechner von atmosfair.
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Zu jedem Wert gehört die Methode: welcher Rechner, welche Emissionsfaktoren, welche Annahmen. Nur so lassen sich zwei Events miteinander vergleichen.
| KPI | Woher die Daten kommen | Wofür |
|---|---|---|
| Anteil der Teilnehmenden mit Bahn, Shuttle oder Sternfahrt | Anmeldung, Zählung im Shuttle | Wirkung des Mobilitätskonzepts |
| Durchschnittliche Besetzung je Fahrt | Fahrtdaten des Mobilitätspartners | Fahrzeuggröße und Takt überprüfen |
| Leerkilometer | Fahrtdaten des Mobilitätspartners | Umläufe verbessern |
| Emissionen je teilnehmender Person | Berechnung mit einem Rechner, Methode angeben | Vergleich zwischen Events, Daten für Kunden |
Mit den Daten stellt sich die Frage, was sich davon nach außen sagen lässt. Zur Umsetzung der EmpCo-Richtlinie wurde in Deutschland das UWG geändert. Die strengeren Anforderungen an Umweltaussagen und Nachhaltigkeitssiegel gelten seit dem 27. September 2026. Die wichtigsten Punkte:
Allgemeine Umweltaussagen wie „umweltfreundlich“, „klimafreundlich“ oder „nachhaltig“ sind ohne Nachweis unzulässig.
„Klimaneutral“ oder „CO₂-neutral“ ist verboten, wenn die Aussage nur auf Kompensation beruht. Das gilt auch dann, wenn die Ausgleichsprojekte tatsächlich umgesetzt werden.
Nachhaltigkeitssiegel sind nur noch zulässig, wenn sie auf offiziellen Zertifizierungssystemen beruhen oder von staatlichen Stellen festgesetzt wurden.
Die Vorgaben schützen in erster Linie Verbraucher. Verstöße verfolgen vor allem Verbraucher- und Wettbewerbsverbände sowie Mitbewerber. Ob eine Eventkommunikation sich an Verbraucher richtet, hängt vom Einzelfall ab, etwa bei Publikumsmessen oder öffentlichen Veranstaltungen. Im B2B-Verhältnis sind irreführende Aussagen nach dem UWG ohnehin unzulässig. Die sicherste Lösung ist in beiden Fällen dieselbe: konkret sagen, was getan wurde, und es belegen können.
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Die Zahlen in der rechten Spalte sind Beispielwerte. Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Aussagen für Werbematerial oder die Eventwebsite lohnt eine Prüfung im Einzelfall.
| Statt | Besser |
|---|---|
| „Unser Kongress ist klimaneutral.“ | „65 % der Teilnehmenden sind mit Bahn und Shuttle angereist. Die Emissionen der Veranstaltung haben wir mit dem CO₂-Rechner für Veranstaltungen des Umweltbundesamts berechnet: 48 t CO₂e.“ |
| „Umweltfreundlicher Shuttle-Service“ | „Zwischen Hotel und Kongresszentrum fährt ein Shuttle im 15-Minuten-Takt. Einzelfahrten mit Taxi oder Pkw sind nicht nötig.“ |
| „Ein grünes Event“ | „Catering mit 70 % regionalen Produkten, Mehrweggeschirr, Strom aus erneuerbaren Energien.“ |
Green Meetings bezeichnet einen Ansatz, Veranstaltungen umweltgerecht zu planen, umzusetzen, zu dokumentieren und weiterzuentwickeln. Einbezogen werden alle Beteiligten, von Mitarbeitenden über Dienstleister bis zu den Teilnehmenden. Der Begriff allein ist kein Nachweis. Entscheidend sind die Maßnahmen, die dahinterstehen.
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