Ein Karriereschritt der sich lohnt
Die duale Ausbildung gilt als einer der wichtigsten Grundpfeiler der Fachkräftesicherung in Deutschland. Doch sie ist längst kein Selbstläufer mehr: Weniger Bewerber:innen, steigende Erwartungen der Gen Z und die wachsenden Anforderungen durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit stellen Betriebe wie Auszubildende gleichermaßen vor Herausforderungen.
Wie praxisnah Ausbildung heute aussieht, zeigt die Geschichte von Ron Gniech bei agt – agency for global transport. Er begann 2020 seine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement, schloss sie 2023 erfolgreich ab und arbeitet heute als Project Manager im Sales. Seine Erfahrungen spiegeln viele der Fragen wider, mit denen sich auch die Handelskammer Hamburg befasst.
Der Einstieg in die Ausbildung war für Ron, wie für viele Auszubildende, ein Einschnitt. „Der Wechsel von der Schule ins Arbeitsleben war die größte Herausforderung. Plötzlich hatte ich feste Arbeitszeiten, Verantwortung gegenüber Kunden und musste lernen, meinen Platz im Unternehmen zu finden“, erinnert er sich. Diese Erfahrung teilen viele junge Menschen. Laut dem Berufsbildungsbericht 2025* sank die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge 2024 bundesweit um 0,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage hoch. Dieses Missverhältnis führt dazu, dass Ausbildungsbetriebe dringend passenden Nachwuchs suchen.
Verantwortung als Wendepunkt
Unsicherheiten gehören zum Start dazu. Entscheidend ist, ob es gelingt, Verantwortung schrittweise zu übertragen. Bei Ron war es die Organisation einer großen Weihnachtsfeier in Amsterdam, die für ihn zum Wendepunkt wurde. „Das war ein Meilenstein. Ich habe gelernt Entscheidungen zu treffen, im Stress ruhig zu bleiben und im Team Lösungen zu finden. Dieses Projekt hat mir gezeigt, dass ich viel mehr kann, als ich mir anfangs zugetraut habe.“
Erfahrungen wie diese machen deutlich: Ausbildung ist mehr als Wissensvermittlung sie ist Persönlichkeitsentwicklung im echten und operativen Arbeitsumfeld. Für Ron war dieser Moment der Start in ein selbstbewusstes Berufsleben, das ihn schließlich in die Rolle des Project Managers führte.
Die Handelskammer Hamburg begleitet Betriebe und Auszubildende seit Jahrzehnten und kennt die Spannungsfelder genau. „Auszubildende sind die Fachkräfte von Morgen. Damit sie erfolgreich starten können, brauchen sie praxisnahe Inhalte aber auch Strukturen, die ihnen Sicherheit geben“, sagt Lara Hauto, Referentin der Abteilung Lebenslanges Lernen.
Laut einer Befragung der Bertelsmann Stiftung* konnten 2024 nur rund 44 % der angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. Nur jedes vierte Unternehmen erhielt ausreichend Bewerbungen. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist damit größer denn je.
4 Erkentnisse des Interviews
Dramatischer Rückgang bei Ausbildungsverträgen
1.
Ausbildungszahlen sinken trotz hoher Nachfrage seit Jahren
2.
Ausbildungszahlen sinken trotz hoher Nachfrage seit Jahren
Azubi-Fachkräftemangel schränkt Deutsche Wirtschaft ein
3.
Azubi-Fachkräftemangel schränkt Deutsche Wirtschaft ein
Gen Z hat veränderten Anspruch an den Job
4.
Gen Z hat veränderten den Anspruch an den Job
Fachkräftemangel als drängende Herausforderung
Hauto sieht drei Schlüsselfaktoren für eine zukunftsfähige Ausbildung: digitale Kompetenzen, Soft Skills und gute Rahmenbedingungen. „Es reicht nicht mehr, nur die Basics zu vermitteln. Digitale Kompetenzen sind heute Schlüsselqualifikationen. Gleichzeitig sind Teamfähigkeit, Kommunikation und Stressresistenz genauso wichtig wie fachliches Wissen.“ Hinzu komme die Erwartungshaltung der jungen Generation, dass Arbeitgeber:innen flexible Modelle, Entwicklungsperspektiven und einen respektvollen Umgang bieten.
Die Ausbildung ist dabei keine Einbahnstraße. Ron beschreibt, wie er nicht nur fachliche Kenntnisse gewann, sondern auch mit Druck und Fehlern lernte umzugehen. „Während meiner Ausbildung habe ich nicht nur Fachwissen gesammelt, sondern auch gelernt, mit Druck umzugehen, Verantwortung zu übernehmen und Fehler als Lernchance zu sehen. Diese Erfahrungen helfen mir heute jeden Tag.“
Aus Sicht der Handelskammer profitieren auch die Betriebe: „Die duale Ausbildung ist ein Lernfeld für beide Seiten. Junge Menschen wachsen an ihren Aufgaben – und Unternehmen profitieren von frischem Input und motivierten Nachwuchskräften“, erklärt Hauto.
Dass Ausbildung eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung hat, belegen aktuelle Prognosen. Zwischen 2008 und 2022 sank die Zahl der neuen Ausbildungsverträge in Deutschland um über 146.000*. Gleichzeitig rechnet die Handelskammer Hamburg bis 2035 mit einem Fachkräftemangel von rund 133.000 Personen allein in der Hansestadt*.
Ausbildungssystem benötigt stetige Modernisierung
„Wir stehen vor einer doppelten Herausforderung: Demografischer Wandel und Fachkräftemangel. Die duale Ausbildung ist ein zentraler Hebel, um Hamburgs Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern“, so Hauto. Damit dies gelingt, müsse das Ausbildungssystem kontinuierlich modernisiert werden. „Berufsordnungen müssen regelmäßig angepasst werden Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Internationalität müssen stärker in den Vordergrund rücken, um Ausbildung attraktiv und zukunftsfähig zu halten.“
Rons Weg zeigt exemplarisch, wie duale Ausbildung funktionieren kann – mit Unsicherheiten am Anfang, mit wachsender Verantwortung und mit Erfolgen, die Selbstbewusstsein schaffen. Seine Geschichte ist ein Beleg dafür, wie viel Potenzial in diesem Modell steckt. Gleichzeitig wird deutlich, dass Ausbildung heute kein Selbstläufer mehr ist. Betriebe, Auszubildende und Institutionen, wie die Handelskammer, müssen gleichermaßen investieren, damit Ausbildung attraktiv bleibt und ihren Platz als zentraler Baustein der Fachkräftesicherung behauptet.
Oder, wie Ron es zusammenfasst: „Ohne meine Ausbildung wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Sie war das Fundament für alles, was danach kam.“ Und Lara Hauto ergänzt: „Es sind genau solche Geschichten, die zeigen, wie wertvoll die duale Ausbildung für unsere Stadt ist. Sie braucht Engagement – von Azubis, Betrieben und Partnern wie uns. Aber sie lohnt sich.“
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